Torffrei gärtnern - Klima und Artenvielfalt schützen

Moorlandschaft bei Diepholz (Niedersachsen) © Rainer Klinke / PIXELIO

80 bis 100% - so hoch ist der Torfanteil der meisten Blumenerden. Dabei ist Torf, der sich nur in Mooren bildet, ein rares und schützenswertes Gut: Moore bedecken gerade einmal 3% der Erdoberfläche, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Mit der Torfbildung wird der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlendioxid entzogen. Der Mensch setzt es durch die Zerstörung der Moore wieder frei: schlecht für unser Klima. Die Artenvielfalt mit hoch spezialisierten Pflanzen und Tieren ist ein weiterer Grund, beim nächsten Blumenerde-Kauf auf torffreie Produkte zurückzugreifen.

Moore sind nasse Lebensräume, die sauerstoffarmen Böden bestehen aus unvollständig zersetztem pflanzlichen Material, dem Torf. Nur einen Millimeter wächst die Torfschicht in einem intakten Moor pro Jahr, rund 1000 Jahre dauert es, bis sich ein einziger Meter Torf gebildet hat. Jedes Jahr verbrauchen allein die deutschen Hobbygärtner rund zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf. Eine Menge, die in 50L-Blumenerdesäcken verpackt, einmal um den Äquator reichen würde. Dafür wird in Deutschland auf rund 30.000 ha Moorflächen Torf abgebaggert.

Raubbau im großen Stil
Das reicht aber längst nicht mehr aus: Die für den Gartenbau benötigten Torfmengen werden auch aus dem Ausland importiert. Ein Abbau im großen Stil findet in baltischen und russischen Moorgebieten statt. Aber nicht nur für die Torfgewinnung werden Moore genutzt; sie werden trockengelegt und in land- und forstwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Die Folgen sind fatal: Wertvolle Ökosysteme verschwinden, das gespeicherte Kohlendioxid wird wieder in die Atmosphäre freigesetzt und leistet seinen Beitrag zur Erderwärmung.

Sonnentau - eine fleischfressende Pflanze © Kurt F. Domnik / PIXELIO

Spezialisierte Flora und Fauna
In Mooren sind hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten zu Hause. Viele davon sind selten oder sogar vom Aussterben bedroht. Schmetterlinge wie der Blaue Moorbläuling oder die Torfmosaikjunger, eine Libellenart, haben sich auf den Lebensraum Moor spezialisiert. Zahlreiche, zum Teil stark bedrohte Vogelarten nutzen Moore als Rast- und Brutstätte. Auch viele Pflanzen haben sich an die extremen Umweltbedingungen angepasst: Torfmoose - die prägende Art der Hochmoore (ein vom Regenwaser gespeister und daher sehr nährstoffarmer Moortyp), der insektenvertilgende Sonnentau, Scheidiges Wollgras oder Zwergbirke - um nur einige zu nennen. In nährstoffreicheren, grundwassergespeisten Niedermooren (entstehen z.B. bei der Verlandung von Seen) sind Seggen, Binsen und Schilfrohr heimisch.

Gärtnern ohne Torf
Es ist paradox: Torf enthält kaum Nährstoffe und muss aufgedüngt werden. Durch den niedrigen pH-Wert wirkt er versauernd auf den Boden - nur bestimmte Pflanzen kommen damit zurecht. Seine gute Wasserspeicherfähigkeit ist schnell dahin: Einmal ausgetrocknet lässt er sich kaum wieder benetzen. Dazu kommt: Torf zersetzt sich im Gartenboden in kürzester Zeit. Gut für die Blumenerde-Industrie: Der Gärtner greift zum nächsten Sack.

Es spricht so vieles gegen Torf - es gibt so gute Alternativen. Der beste Bodenverbesserer für den Garten ist Kompost. Für den Balkongärtner gibt es torffreie Blumenerde auf Basis von Rindenhumus, Holz- oder Kokosfasern. Aber Achtung: Nur als "torfarm" oder "torfreduziert" deklarierte Ware kann viel Torf enthalten! Eine praktikable Einkaufshilfe vom BUND Bundesverband mit einer Liste von Anbietern garantiert torffreier Erden gibt es hier:

Einkaufsführer torffreie Blumenerde (613 KB)


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