Kirche im Plastikgewand

Tatkräftige Unterstützung der Feuerwehr bei der Verhüllung der Johanniskirche

Nur 25 Minuten wird eine Plastiktüte durchschnittlich benutzt. Gegen diese Ressourcenverschwendung und die Wegwerfmentalität protestiert das Bonner Netzwerk "Plastiktüte? Nein danke!" (eine Initiative des Vereins Abenteuer Lernen e.V.) und verhüllte am Sonntag, 15. September, demonstrativ die evangelische Johanniskirche in Bonn-Duisdorf mit rund 3000 (gebrauchten) Plastiktüten.

Dr. Uwe Lipke (BUND Bonn) hält ein Eu-weites Verbot von Plastiktüten für sinnvoll.

Im Rahmen der Verhüllungsaktion fand auch eine Podiumsdiskussion statt, bei der Politiker verschiedener Parteien, Vertreter von Abenteuer Lernen e.V., Femnet e.V. und der BUND-Kreisgruppe Bonn Argumente zum Thema Plastik(-tüten) austauschten. Der BUND Bonn fordert eine Änderung der EU-Verpackungsrichtlinie und damit ein EU-weites Verbot von (Einweg-)Plastiktüten - für Bereiche, wo Alternativen verfügbar sind. Gegen weitere Verbote sind hingegen FDP und die Piraten - sie setzen ganz auf die Eigenverantwortung eines jeden Verbrauchers.

Ex und hopp

Der BUND lehnt Plastiktüten aus mehreren Gründen ab: Sie fördern die Ex und hopp-Mentalität der Gesellschaft und stellen  eine enorme Verschwendung von Energie und fossilen Rohstoffen dar. Wenn Plastiktüten in der gelben Tonne landen, werden sie häufig nur "thermisch" wiederverwertet - das heißt: verbrannt. Dabei geht die Energie für ihre Herstellung komplett verloren und es entstehen zudem Schadstoffe (z.B. Dioxine und Quecksilber).

Viele Plastikteile landen in der Umwelt. Foto: ©Ariane Sept / PIXELIO

Plastik im Meer

Viele Plastiktüten landen nicht in der Mülltonne, sondern in der Umwelt. Dort gelangen sie über Flüsse und Abwässer ins Meer. In einem gigantischen Meereswirbel im Nordostpazifik tummeln sich mittlerweile unzählige Müllteile - ein Großteil davon  aus Plastik(-tüten). Durch Salzwasser, Wellen und UV-Strahlung wird der Plastikmüll in immer kleinere Bestandteile zersetzt - bis nur noch mikroskopisch kleine Partikel übrigbleiben.  An diese Mikroplastik lagern sich gefährliche Chemikalien wie das Insektizid DDT oder Polychlorierte Biphenyle (PCB) an. 

Über das Plankton, das am Anfang der Nahrungskette steht, gelangen die Kunststoffe samt ihrer Giftfracht schließlich (wieder) bis zum Menschen. Aber auch größere Müll- und Plastikteile werden vielen Meerestieren zum Verhängnis: Sie verheddern sich darin, Plastik wird mit Nahrung verwechselt und verstopft die Mägen, die Tiere verhungern und verdursten.

Der BUND unterstützt die Aktion des Netzwerkprojekts "Plastiktüte? Nein danke!".

Biologisch abbaubare Kunststoffe: keine Alternative

Plastiktüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen (z.B. aus Polymilchsäure oder aus Stärke) haben teilweise sogar eine schlechtere Umweltbilanz als "normale" Plastiktüten aus Polyethylen. Dies liegt vor allem am aufwändigen landwirtschaftlichen Anbau von Mais oder Zuckerrohr, der durch hohen Energie- und Wasserbedarf, Naturraumbeanspruchung, Nährstoffeintrag und Pestizide die Umwelt belastet. Für die gleiche Reißfestigkeit der Tüten sind höhere Wandstärken notwendig - und damit ein höherer Materialverbrauch. Die biologisch abbaubaren Kunststoffe behindern das Recycling herkömmlicher Kunststoffe und werden gleichzeitig in Kompostieranlagen aussortiert; ihre Kompostierung braucht im Verhältnis zum sonstigen Biomüll viel zu lange.

Jute statt Plastik

Die beste Alternative zur Einweg-Plastiktüte ist die Mehrweg-Tragetasche. Allerdings nur dann, wenn sie auch mehrfach benutzt und bei jedem Einkauf mitgeführt wird. Eine interessante Lösung sind Tragetaschen aus recyceltem Kunststoff, die platzsparend zusammengefaltet werden können. Auch vorhandene Plastiktüten kann man in der Regel mehrfach benutzen, bevor sie entsorgt werden müssen. Obst- und Gemüsetüten sollte man wieder verwenden, so lange dies möglich ist.



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