Plastikmüll / Plastiktüten

Wir sind umgeben von Plastikprodukten: Verpackungen, Getränkeflaschen, Spielzeug, Elektrogeräte... Unser Alltag ist ohne Kunststoffe kaum mehr vorstellbar. Kunststoffe sind langlebig und überdauern mehrere hundert Jahre. Für Abfall eine ungünstige Eigenschaft: So ist der Plastikmüll mittlerweile weltweit, vor allem in unseren Ozeanen, zu finden.

Viele Flaschen bestehen mittlerweile aus Kunststoff. ©Ariane Spept / Pixelio

Seit etwa 100 Jahren gibt es ihn - den Kunststoff (umgangssprachlich auch Plastik genannt). Kunststoffe werden größtenteils synthetisch aus Erdöl, Kohle oder Erdgas hergestellt. Durch chemisch-physikalische Prozesse entstehen große netz- oder kettenförmige Moleküle aus Kohlenstoff und anderen Elementen. Flammschutzmittel, Stabilisatoren, Farbmittel und andere Zusatzstoffe ergänzen - je nach Kunststoffsorte - die Rezeptur. Viele dieser Chemikalien gelten als hochgiftig, andere sind hormonell wirksam: Dazu gehören beispielsweise verschiedene Weichmacher (Phthalate) und Organozinnverbindungen - eingesetzt in (Weich-)PVC-Produkten. Bisphenol A (BPA), eine weitere, ebenfalls hormonell wirksame Substanz, wird für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen verwendet und vor allem bei Erwärmung wieder freigesetzt. Ungünstig für uns Menschen: Dieser Kunststoff kommt unter anderem für Mikrowellengeschirr zum Einsatz.

Müll-Dilemma

Langlebigkeit - das ist einer der Vorteile von Kunststoffprodukten. Und hier liegt auch ein entscheidender Nachteil: Man wird sie so schnell nicht mehr los. Mehrere hundert Jahre kann es nach Schätzungen von Wissenschaftlern dauern, bis manche Kunststoffe wieder zersetzt sind.

Rund 280 Millionen Tonnen Kunststoff wurden 2011 weltweit laut Angaben von PlasticsEurope (Verband der europäischen Kunststoffindustrie) hergestellt, 62 Millionen davon in Europa. Dort werden etwa 40 Prozent der Kunststoffe für Verpackungen eingesetzt und landen nach nur kurzer Anwendungszeit im Müll. Ein Teil des Plastikabfalls wird verwertet: stofflich (Recycling), aber auch energetisch (Verbrennung). Der Rest stapelt sich auf Deponien oder gelangt - einfach achtlos weggeworfen - direkt in die Landschaft. Wind und Flüsse transportieren die leichte Fracht schließlich ins Meer.

Plastikmüll am Rheinufer - auf diesem Weg gelangt er leicht in die Weltmeere.

Müllkippe Meer

Im North Pacific Gyre, einem gigantischen Meereswirbel im Nordostpazifik zwischen Hawaii und dem amerikanischen Festland, tummeln sich unzählige Müllteile - ein Großteil davon aus Plastik (rund 70 Prozent nach Schätzungen von Wissenschaftlern). Neben Flüssen und Abwässern gelangt der Abfall auch durch Tourismus- oder Freizeitaktivitäten vom Land ins Meer. Als Hauptverursacher gelten jedoch die Schifffahrt und die Fischerei. Nach Schätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP landen so jährlich etwa 6,4 Millionen Tonnen Plastikabfälle in unseren Weltmeeren.

Besonders kritisch: Durch Salzwasser, Wellen und UV-Strahlung wird der Plastikmüll in immer kleinere Bestandteile zersetzt - bis nur noch mikroskopisch kleine Partikel übrigbleiben. An diese Mikroplastik lagern sich gefährliche Chemikalien wie das Insektizid DDT oder Polychlorierte Biphenyle (PCB) an. Wissenschaftler konnten eine millionenfach erhöhte Konzentration dieser Stoffe an den Plastikteilchen im Vergleich zu ihrer Konzentration im Wasser messen. Über das Plankton, das am Anfang der Nahrungskette steht, gelangen die Kunststoffe samt ihrer Giftfracht schließlich (wieder) bis zum Menschen.

Aber auch größere Müll- und Plastikteile werden vielen Meerestieren zum Verhängnis: Sie verheddern sich darin, Plastik wird mit Nahrung verwechselt und verstopft die Mägen, die Tiere verhungern und verdursten.

Bio-Plastik

Biologisch abbaubare Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Kartoffeln sind leider auch keine Lösung in dem ganzen Plastikmüll-Dilemma: Laut einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) haben Verpackungen aus Bio-Kunststoffen im Vergleich zu herkömmlichen, erdölbasierten Kunststoffen keinen ökologischen Vorteil. Die Klimabilanz ist zwar günstiger, dafür gibt es aber in anderen Bereichen höhere Umweltbelastungen - vor allem durch den Einsatz von Düngemitteln. Noch dazu kommt: Die Kompostierbarkeit klappt nur in speziellen Industrieanlagen (im heimischen Komposthaufen sind die Temperaturen zu niedrig); aber nicht jede Bioplastiktüte ist aufgrund von Erdöl- oder Zusatzstoffanteilen für die Kompostierung geeignet. In manchen Kommunen ist die Biotonne daher für Biokunststoffe tabu. In der gelben Tonne stört das Bioplastik beim Recycling, bleibt nur der Restmüll. Nicht gerade "bio".

"Wirklich umweltfreundlich sind nur Mehrwegtaschen, etwas Stoffbeutel und Taschen aus anderen langlebigen Materialien", so das UBA-Fazit. Also doch: Jute statt Plastik.

Weiterführende Informationen:

 



Suche