Neubau der Stadtbahn-Haltestelle Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn

Bezirksregierung Köln
Zeughausstraße 2-10
50606 Köln

29.12.2004

Genehmigungsverfahren nach Personenbeförderungsgesetz
Neubau der Stadtbahn-Haltestelle Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn
Ihr Schreiben vom 29.11.2004 - AZ 58.5.8-3/04


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die Beteiligung im vorgenannten Genehmigungsverfahren.

Zu dem vorgelegten Baumgutachten mit Eingriffs-Ausgleichsbilanzierung haben wir folgende Bedenken:

Die Bewertung des Eingriffs erfolgte auf der Grundlage des Sporbeck-Verfahrens.
Zugrundegelegt wurde der Biotopwert für 'nicht standortgerechte' Bäume mit geringem Baum-holz. Der Standort ist der Hartholzaue zuzurechnen und daher ist Bergahorn standorttypisch. Außerdem ist u. E. bei einem Stammumfang zwischen 65 und 92 cm nicht 'geringes' sondern 'mittleres' Baumholz anzusetzen. Es ergibt sich daraus ein Wert von 15 BWP, mithin ein Ein-griffswert von 2.550 Punkten, der durch Pflanzung von 15 Bäumen (statt der errechneten 11) ausgeglichen werden kann.

Der Ausgleich bzw. Ersatz soll gem. Anlage 1 zum Gutachten nicht durch Pflanzung von Bäu-men, sondern durch die Umwandlung des Mittelstreifens Welschnonnenstraße/Sandkaule und eines Seitenstreifens nahe der Kreuzung am Belderberg erfolgen, weil (Zitat) 'derzeit echte Neustandorte, z. B. beim Straßenbegleitgrün, nicht sofort verfügbar sind'.
Schon aus der Standort-Beschreibung wird klar, dass eine 'ökologische Aufwertung', wie von der Stadt Bonn beschrieben, gar nicht möglich ist. Ein Mittelstreifen innerhalb einer vierspurigen Straße (B 9) kann wohl kaum eine ökologische Ausgleichsfunktion erfüllen. Vollends fragwürdig wird der ökologische Wert, wenn für die Pflanzung fast durchgängig Zuchtformen von heimi-schen Pflanzenarten und sogar nicht heimische Staudenarten (aufgelistet in Anlage 2) verwen-det werden sollen. Der BUND setzt sich seit langem dafür ein, dass nicht nur auf Ausgleichsflä-chen, sondern auch auf den städtischen Gestaltungsflächen heimische Pflanzenarten verwen-det werden. Wir hatten gehofft, dass diese Forderung inzwischen bei den zuständigen Ämtern der Stadt Bonn - zumindest im Hinblick auf Ausgleichs- bzw. Ersatzflächen - als sinnvoll aner-kannt worden ist. Insofern ist es uns unerklärlich, dass die vorgelegte Planung sowohl vom Ser-vicebetrieb Stadtgrün als auch von der Unteren Landschaftsbehörde gutgeheißen worden ist.



Wir bitten dringend darum, als Ersatz für die entfallenen Bäume Neupflanzungen im innerstädti-schen Bereich vorzunehmen. Dass dafür keine Standorte zur Verfügung stehen sollen, können wir nicht nachvollziehen.

Zu verkehrsplanerischen und städtebaulichen Aspekten merken wir an:
• Die gesamte Planung steht unter dem Aspekt des Umbaus der Linie 66, übergreifende städtebauliche Aspekte wie die Gestaltung dieses wichtigen zentralen Platzes in Bonn werden nicht hinreichend bearbeitet. Wir verweisen auf das 1999 vom VCD Bonn-Rhein-Sieg vorgelegte Konzept zur Umgestaltung des Bertha-von-Suttner-Platzes, das eine umfassende Gestaltung des Platzes vorschlägt und Vorrang für die Verkehrsmittel des Umweltverbundes schafft.
• Während einerseits der Bussteig als beengte provisorische Anlage geplant ist, wird bei den Stadtbahnsteigen aufwändig „auf Vorrat“ gebaut im Hinblick auf zukünftige Fahr-zeugkonzepte. Die Zusatzlänge dieser Bahnsteige verstärkt die verkehrstechnischen und städtebaulichen Probleme. Hieran zeigt sich die Fragwürdigkeit des auf immer län-gere Züge setzende Fahrzeugkonzepts in Bonn. (Das bessere Konzept würde lauten: „Lieber mit kürzeren Zügen öfter fahren“.)
• Die Kreuzung Belderberg/Bertha-von-Suttner-Platz wird aufwändig umgebaut ohne eine Möglichkeit zum Linksabbiegen für Busse zu schaffen. Diese könnten den Busverkehr deutlich vereinfachen, weil die heute nötigen anachronistischen Umwegschleifenfahrten entfallen würden. In diesem Zusammenhang weisen wir hin auf das Verkehrskonzept der Umweltverbände in Bonn „Rundum Gut“, insbes. S. 30 und 31. Dort sind unsere Vorschläge zum Umbau dieser Kreuzung beschrieben.

Mit freundlichen Grüßen


Ulrike Aufderheide

BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Kreisgruppe Bonn



Suche