Mittelwald-Projekt im Kottenforst

Die BUND- Kreisgruppe Bonn hat 2013 mit Hilfe einer Spende der Sparkasse KölnBonn drei Waldgrundstücke im Kottenforst erworben, auf denen zukünftig eine traditonelle Form der Waldbewirtschaftung, ein sogenannter "Mittelwald", modellhaft durchgeführt und veranschaulicht werden soll.  

Niederwald mit "Überhältern" (Siegerländer Hauberge)

Bei Nieder- und Mittelwäldern werden etwa alle 15 bis 20 Jahre ausschlagwillige und lichtliebende Baum- und Straucharten wie Hainbuchen, Linden, Eschen, Erlen und Hasel über dem Wurzelstock abgeschnitten ("auf Stock gesetzt"); beim Mittelwald bleiben zusätzlich einzelne große Bäume als sogenannte "Überhälter" stehen. Dadurch erwirtschaftet der Mensch höhere (Brenn-)Holzerträge, aber auch die Natur profitiert durch mehr Artenvielfalt.

In Mitteleuropa gibt es heutzutage nur noch sehr wenige Nieder- und Mittelwälder. Über Jahrhunderte hinweg waren sie wichtige Lieferanten für Brennhölzer und Gerbrinde. Die Flächen wurden außerdem für den Anbau von Getreide und als Waldweide genutzt. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden diese Formen der Waldnutzung nach 1950 fast völlig eingestellt und die meisten Flächen in Hochwälder überführt.

Vielfältige Lebensräume

Neben ihrer kulturhistorischen Bedeutung haben Nieder- und Mittelwälder einen hohen Stellenwert im Naturschutz. Durch zeitlich versetzte Holzeinschläge existiert ein Mosaik unterschiedlich alter Regenerationsstadien - so entstehen vielfältige Lebensräume. Anders als im Hochwald gelangt viel Licht und Wärme auf den Waldboden, so dass eine strukturreiche, dichte Pflanzendecke aus Kräutern, lichtliebenden Pflanzenarten des Wald-Offenland-Bereichs wie beispielsweise Schlüsselblumen, Wilde Narzisse, Acker-Hohlzahn und verschiedenen Sträuchern wie Behaartem Ginster oder Besenginster entsteht. Die Baumstümpfe schlagen schnell wieder aus und bilden reichlich neue Blattbiomasse - das wiederum fördert den Blüten- wie den Insektenreicht

Hirschkäfer - in der Roten Liste Deutschlands als "stark gefärdet" eingestuft.

Leitart Haselhuhn

Auch Vögel profitieren von den vielfältigen Strukturen: Bestände mit einzelnen großen Bäumen, meistens Eichen, die als sogenannte "Überhälter" den Übergang zu Mittelwäldern kennzeichnen, nutzen dem Mittelspecht. Erlen-Niederwälder dienen der seltenen Waldschnepfe als Lebensraum. Das Haselhuhn, ein in der Roten Liste Deutschlands als "stark gefährdet" eingestufter Vogel, ist sogar zur Leitart des Niederwaldes geworden. Mehr Licht und Sonne nutzt auch den Tieren, die Totholz als Lebensraum benötigen, wie beispielsweise dem Hirschkäfer; besonntes Totholz dient dabei wesentlich mehr Tierarten als Lebensraum als nicht besonntes.

Eine Seltenheit: Gespensterbuchen im Kottenforst

"Nachwuchs" für Gespensterbuchen

Der Kottenforst wurde über Jahrhunderte als Waldweide genutzt. Zur Gewinnung von Brennholz und Laubheu wurden hier Rotbuchen außerdem in zwei bis zweieinhalb Metern Höhe regelmäßig "geschneitelt", also gestutzt. Zeugen dieser Nutzung sind die noch zahlreich vorhandenen Kopfbuchen, die aufgrund Ihrer eigenartigen Formen auch Gespensterbuchen genannt werden. Die zahlreichen Höhlungen dieser Bäume dienen vielen Tieren als Lebensraum - vor allem solchen, die auf Totholz angewiesen sind.

Trotz der vielfältigen positiven Auswirkungen auf den Artenreichtum werden traditionelle Waldbewirtschaftungsformen als Naturschutzstrategie bislang kaum verfolgt. Ein Ziel des Modellprojekts ist daher auch, für diese Form der Waldbewirtschaftung zu werben. Damit folgt die BUND-Kreisgruppe dem Landschaftsbeirat Bonn: Er forderte, die Wiederaufnahme historischer Waldnutzungen in den Landschaftsplan Kottenforst als Ziel festzusetzen, um den "Nachwuchs" für die ökologisch wertvollen und landschaftlich reizvollen Kopfbuchen zu siche

Umweltbildung

Und ein weiteres Ziel hat sich die BUND-Kreisgruppe mit dem Modell-Projekt im Kottenforst gesetzt: Die stadtnahe Lage der Waldgrundstücke am Haager Weg, zwischen Venusberg und Ippendorf, bietet ideale Möglichkeiten der Umweltbildung für Kindergärten, Grundschulen oder Familien. Vorstellbar sind beispielsweise Arbeitsgemeinschaften in Offenen Ganztagsschulen (OGS): Hier könnten Kinder unter dem Motto "Umwelt-Agenten – im Auftrag der Natur" die Natur entdecken, Umweltprobleme aufspüren und Lösungswege finden.



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