An den Oberbürgermeister der Stadt Bonn

Bürgerantrag: Thematisierung von Maßnahmen zur Vermeidung von Vogelschlag an spiegelnden Fassaden und durchsichtigen Glaswänden

Kreisgruppe Bonn des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und des NABU (Naturschutzbund Bonn)

Der Rat der Stadt Bonn möge beschließen:

1.   Bauleitplanung

Zur Vermeidung von Vogelschlag sind durch textliche Festsetzungen gem § 9 (1) 20 und 25  BauGB für große Glasflächen und spiegelnde Fassaden nachweislich wirksame Maßnahmen zu ergreifen. (Sogenanntes „Vogelschutzglas“ mit UV-Markierungen und einzelne undurchsichtige Greifvogelaufkleber sind zur Zeit nicht ausreichend wirksam - s. Untersuchungen der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf). Größere Glasflächen sind durch geeignete Maßnahmen entsprechend zu untergliedern, z.B. durch Einteilungen mit gefrästen oder geklebten Streifen, Streifenmustern etc. Spiegelnde großflächige Glaselemente sind nicht zulässig.

Diese Festsetzungen für neu zu erstellende Bebauungspläne sind bei jeder  Änderung von bestehenden Bebauungsplänen sinngemäß aufzunehmen.

2.  Baugenehmigung

Im Rahmen von Baugenehmigungsverfahren werden  für reflektierende und gläserne Fassaden- und Dachflächen sowie für großflächige Fenster  bauliche Auflagen erteilt, deren Umsetzung die Kollisionen von Vögeln mit diesen Flächen verhindern (Vogelschlag). Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens sind geeignete Maßnahmen zu entwickeln und Alternativen (Verzicht auf Glasflächen oder mattierte, gefärbte, strukturierte Scheiben sowie an den Scheiben sichtbar werdende Maßnahmen)  abzuwägen und zu dokumentieren.

3.   Zur Vermeidung von Vogelschlag sind gleichlautende Anforderungen in die Gestaltungssatzungen in Bonn aufzunehmen.  Ergänzend zu den Gegenmaßnahmen bezüglich Reflektion bedingter Kollisionen sind zudem auch solche Maßnahmen zu berücksichtigen, die eine Irritation durch zunehmende Lichtverschmutzung (z.B. Leuchtreklame, helles Dauerlicht) verursachen.

Kommentar zu 1. Es besteht hier auch die Möglichkeit, die Größe von unzulässigen großen Glasflächen anzugeben.

Begründung:

Es wird geschätzt, dass in Europa jährlich 80 Millionen Vögel auf Grund von Kollisionen mit Glasscheiben und anderen spiegelnden Flächen zu Tode kommen (Der Falke,10,2011),. Darunter sind nicht nur die in Städten noch häufigen Allerweltsarten wie Amsel oder Kohlmeise,  sondern auch seltenere Arten wie Eisvogel, Waldschnepfe, Buntspecht oder Sperber wurden schon tot an Glasflächen gefunden. Bei seltenen Arten kann der Tod von Individuen an Glasflächen durchaus die Lebensfähigkeit der örtlichen Population bedrohen, wie auch das Urteil zum Glaskubus auf dem Drachenfels, das der BUND-Rhein-Sieg erstritten hat, anerkannt hat.

Nicht immer finden wir nach einer solchen Kollision einen toten Vogel vor der Hauswand. Leider zeigen aber Untersuchungen, dass auch die Vögel, die benommen davon fliegen, in der Regel nicht lange überleben. Entweder sie gehen an ihren inneren Verletzungen ein oder sie werden auf Grund ihrer langsameren Reaktionen Opfer von Beutegreifern.

Warum kollidieren Vögel mit Glasflächen oder anderen spiegelenden Flächen?

Vögel haben offensichtlich Schwierigkeiten, Glasflächen und spiegelnde Flächen als solche zu erkennen. Bei Durchsicht nehmen sie das Hindernis nicht wahr, sondern sehen nur das, was sich hinter der Glasscheibe befindet. Bei reflektierenden Materialien halten sie das Spiegelbild des Himmels oder der Vegetation für die Wirklichkeit. Letzteres erklärt auch, warum bei manchen Häusern Vögel nur in bestimmten Jahreszeiten gegen die Scheiben fliegen, nämlich dann, wenn die Sonne so einfällt, dass besonders täuschende Spiegelungen entstehen. Bei hohen Gebäuden wie dem Posttower steigt die Zahl der Kollisionen in der Nacht, wenn helles Licht hinter den Glasscheiben leuchtet, weil das Licht die Vögel in ihrer Orientierung behindert.

Besonders fatal für Vögel sind aber auch Glaswände die frei in der Landschaft stehen. Da Glas viel Masse/Gewicht hat und Schall durch Masse gedämmt wird, werden zunehmend durchsichtige Glaswände auch zum Schallschutz eingesetzt. An Gebäuden finden wir zunehmend große Glasflächen. Die Bonner Buswartehäuschen sind ein weiteres Beispiel für freistehende Glaswände im Außenraum.

Wie kann Vogelschlag verhindert werden?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Greifvogelsilhouetten die Anzahl der Anflüge nicht vermindern. Die Vögel erkennen die schwarzen Folien nicht als Feind und fliegen einfach neben dem „schwarzen Fleck auf dem Fenster“ gegen die Scheibe oder erkennen fälschlicher Weise gerade in den schwarzen Feldern Durchflugmöglichkeiten. Vögel sind daran gewöhnt, auch durch kleine Öffnungen – etwa im Geäst eines Strauches- zu fliegen.

Nachgewiesener Weise wirksam sind aufgeklebte Streifen oder Punkte, wenn Größe und Abstand bestimmte Werte über- bzw. unterschreiten. Wenn die Streifen z.B. mindestens 5 mm breit sind, dann dürfen die Streifen einen Abstand von maximal 10 cm haben. Martin Rössler von der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf in Österreich hat im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft seit 2006 Flugtunnelversuche in einem standardisierten Verfahren durchgeführt und zahlreiche Markierungsmuster getestet. Das Ergebnis: an keiner Stelle der Glasfläche sollten „Durchschlupfe“ in der Größe einer Handfläche (oder größer) vorhanden sein.

Am wirksamsten kann dem Vogelschlag natürlich beim Neubau vorgebeugt werden. Halbtransparente oder farbige reflexionsarme Glasflächen oder solche mit einem durchsichtigen Muster sind zu bevorzugen. Es gibt inzwischen zahlreiche ästhetisch ansprechende Lösungen in diesem Bereich, wie eingelegtes Holzgeflecht in Wärmeschutzglas oder vorgehängte Raster aus Metall. Spiegelnde Metalloberflächen können durch gewölbte Oberflächen, die die Spiegelungen verzerren, für Vögel erkennbar werden.

Die Stadtverwaltung sollte  eine Informationsbroschüre bezüglich Vogelschlag für neue Baumaßnahmen und die Modernisierung im Bestand erstellen. Hierbei kann auf Erfahrungen und auf einschlägige Publikationen in anderen Städten und des Landes NRW zurückgegriffen werden.

Gute Hinweise zum Thema „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ gibt zum Beispiel die gleichnamige Broschüre, die die Schweizerische Vogelwarte Sempach herausgebracht hat und die vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) NRW im Land verteilt wurde. 

 

 



Kontakt

glas.vogelschutz@bund.net
0211 / 30 2005 - 10
oder über das Kontaktformular

Weitere Informationen...

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