Forderungen

Die Vergiftungsfälle von Honigbienen im Frühjahr 2008 gingen durch die Medien. Der bei der problematischen Saatgutbeize eingesetzte Wirkstoff Clothianidin gehört ebenso wie Imidacloprid und ähnliche Wirkstoffe zu der Stoffklasse der Neonicotinoide. Dies sind synthetische Insektizide ("Pflanzenschutzmittel") von enormer Giftigkeit, nicht nur für Insekten.
Sie sind seit etwa 4 Jahren auf dem Markt.
In der Öffentlichkeit wurde von den Herstellern immer behauptet, diese Stoffe seien als Saatgutbehandlungsmittel bienenungefährlich, weil die Bienen ja nicht mit dem Saatgut in Berührung kämen.
Wie die Unterzeichner in ihrem Offenen Brief zeigen, ist das eine reine Marketingaussage, denn selbst die Experten von Bayer CropScience räumen ein, dass bei der Aussaat von Mais mit einem Abrieb von 2g/Hektar zu rechnen sei. ( Siehe auch Offener Brief der Imker:
http://www.imkerdemo.de/2008/10/offener-brief-an-den-leiter-des-bvl/#more-560 )
Auch bei anderem Saatgut, das mit diesen Produkten gebeizt ist, müssen wir von einem nicht vermeidbaren Abrieb ausgehen. Dieser gelangt dann zwangsläufig durch den Wind auf Pflanzen (oder Wasser) der Umgebung. So ist auch eine Vergiftung aller Nutzinsekten die ZWANGSLÄUFIGE Folge eines Einsatzes dieser Mittel.
Es handelt sich daher NICHT um einen Betriebsunfall.

Die Folgen sind gravierend und gehen dabei weit über einen rein wirtschaftlichen Schaden der Imker hinaus. Denn durch die hochwirksamen Insektizide werden nicht nur die Honigbienen, sondern auch alle anderen Blütenbesucher getötet. Damit werden nicht nur lokale Populationen bestimmter Arten ausgelöscht, sondern es wird massiv in den Naturhaushalt eingegriffen.
Betroffen sind neben den Honigbienen und weiteren 550 Wildbienenarten (in Deutschland) tausende von Schlupfwespen, Lehmwespen, Grabwespen, Wegwespen, Papierwespen, Hornissen, Raupenfliegen und Schmetterlingen.
Alle diese Arten haben wichtige regulatorische Funktionen im Naturhaushalt.

Nehmen wir z.B. die Schmetterlinge. Die Larven der Augenfalter leben an Gräsern. Als Pflanzenfresser mindern sie so die Konkurrenzkraft der Gräser und fördern wuchsschwächere Blumen. Davon profitieren nicht nur die ausgewachsenen Falter (durch die höhere Blütenzahl), sondern auch die Artenvielfalt unter den Pflanzen. Eine Vergiftung der Augenfalter führt zu einer Zunahme der Gräser und einer Abnahme der Blumenvielfalt und der Blütenanzahl.

Alle Arten, deren Larven Pflanzen fressen (Pflanzenwespen, Schmetterlinge, Käfer), sind als Regulatoren der Pflanzen unentbehrlich. Nur durch sie wird ein Nebeneinander verschiedenster Arten möglich. Fallen diese Arten aus, setzen sich nur wenige wuchskräftige Arten durch, wir erhalten eine monotone, blütenarme Landschaft.

Ein Ausfall von Arten, die wiederum die Pflanzenfresser regulieren, kann dazu führen, dass sich robustere pflanzenfressende Arten zu Schadorganismen entwickeln.

Wie wir sehen, führt ein Ausfall wichtiger Regulatoren zu einer ABNAHME DER ARTENVIELFALT unter den PFLANZEN und INSEKTEN, obwohl der Wirkstoff nur Insekten vergiftet.
Außerdem führt er zu einer ZUNAHME VON SCHÄDLINGSBEFALL, weil die Regulierung wegfällt.

Aufgrund dieser dramatischen Folgen des Einsatzes von Neonicotinoiden fordern wir ein umgehendes Verbot dieser Gifte in der Landwirtschaft!



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