Planfeststellungsverfahren für den Neubau der S 13, PFA 3 „Stadtgebiet Bonn-Vilich“

Bezirksregierung Köln
50606 Köln


05.11.2004


Planfeststellungsverfahren für den Neubau der S 13, PFA 3 „Stadtgebiet Bonn-Vilich“
Ihr Schreiben vom 02.08.2004 - AZ 58.7.2.2.-5/04


Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchten wir uns für die unbürokratisch gewährte Fristverlängerung herzlich bedanken.

Wie allgemein bekannt ist, dringt der BUND generell auf eine Verbesserung des ÖPNV, um den umwelt-belastenden Autoverkehr zu reduzieren. Eine neue S-Bahn-Linie bewerten wir daher grundsätzlich sehr positiv.

Wenn die jetzt vorgelegte Planung verwirklicht werden sollte, befürchten wir allerdings, dass mit einem hohen Aufwand an Geld und Bauleistungen nur eine zweitklassige Lösung geschaffen wird. Diese Einschätzung ist Ihnen aus der Stellungnahme zum PFA 4 bzw. 5 bereits bekannt. Auch im PFA 3 für den Abschnitt Vilich sehen wir das nicht anders.

So ist für den geplanten neuen Haltepunkt Vilich keine befriedigende Zuwegung gelungen. Wir schließen uns hier der Stellungnahme des VCD an, der die Mängel und deutlich bessere Vorschläge zur Zuwegung dargestellt hat. Deutlich wird, wie sehr sich die Planung dem Diktat des Autoverkehrs unterworfen hat.

Die Umsteigesituation mit ihren vielen Höhenunterschieden bleibt unbefriedigend. Umso wichtiger wäre es, die Möglichkeit, die eine direkte Verknüpfung der beiden Schienensysteme bietet und die gerade hier günstig wäre, wahrzunehmen oder zumindest nicht zu ‚verbauen’. Ein Beispiel hierfür ist der VCD-Stellungnahme zu entnehmen.

Die Erschließung der bestehenden Wohngebiete wird durch die Verlegung der Stadtbahnhaltestelle kei-neswegs verbessert. Das an sich begrüßenswerte Prinzip, Schieneninfrastruktur und Siedlungen anein-ander auszurichten, wird auf den Kopf gestellt, wenn nicht Bahnen für bestehende Siedlungen gebaut werden, sondern neue Siedlungen entlang der Bahnlinie entstehen (sollen).

Der geplante Bau separater S-Bahngleise hat insbesondere durch die zweigleisige Strecke in diesem Abschnitt einen Maximalumfang an Bauarbeiten und Eingriffen in wertvolle Biotopstrukturen zur Folge. Wir verweisen – wie schon in unserer Stellungnahme zum Abschnitt Oberkassel – auf die in dem Buch ‚Die S-Bahn kommt! auch nach Rheinland-Pfalz Nord’* ausgeführte Möglichkeit eines abschnittsweisen dreigleisigen Ausbaus der Mischbetriebsstrecke. Dieser hätte bei erheblich geringerem Bauaufwand eine höhere betriebliche Flexibilität zur Folge. Die auf den Seiten 140/141 dargestellten Fahrplanskizzen zei-gen die hohe Kapazität einer derart ausgebauten Strecke.
Am südlichen Ende des PFA 3 könnte das dritte Gleis in das alte Degussa-Gleis einmünden. Technische Details enthält die Ausarbeitung der anlässlich des PFA 4 eingereichten Stellungnahme der Rhein-Sieg-Eisenbahn, der wir uns anschließen.


• Monheim, Heiner; B. Strowitzki; J. Vockel: Die S-Bahn kommt! auch nach Rheinland-Pfalz Nord. Hochschulschriften 41.
Erschienen im Papyrossa-Verlag, Köln.


Wie der UVS zu entnehmen ist, wurden Varianten mit eingleisiger Trasse, die eine Reduzierung der Ein-griffe in wertvolle Biotopstrukturen zur Folge hätten, überhaupt nicht geprüft. Für uns ist diese Vorge-hensweise unverständlich und die Untersuchung ist im Sinne des § 6 (3) Pkt. 5 UVPG mangelhaft bzw. nicht ausreichend. Die Eingriffe in den kulturhistorisch vielleicht nicht ganz unwichtigen, in jedem Fall aber naturschutzrechtlich wertvollen Bestand auf der Ostseite des ehemaligen Parks der Burg Lede könnten deutlich reduziert werden, ebenso wie die Eingriffe in die südlich anschließenden Gehölze zwi-schen Haltepunkt Vilich und Friedhof sowie Bröhltalbahn/Radweg und Bahnhof.

Der LBP lässt zudem erkennen, dass innerhalb eines als ‚Feldgehölz’ kartierten naturnah entwickelten älteren Gehölzbestandes eine Versickerungsanlage gebaut werden soll. Dass dieses Bauwerk nicht auf den angrenzenden Acker geplant wurde, wird fachlich nicht erläutert und ist u. E. auch nicht zu rechtferti-gen. Die Planung widerspricht dem BNatSchG, das verlangt, Eingriffe so weit wie möglich zu vermeiden bzw. zu minimieren. Zudem wird das Versickerungsbecken, obwohl es eine technisch erforderliche Anla-ge darstellt und sicherlich eingezäunt werden soll, als Ausgleichsmaßnahme und damit als Aufwertung der Fläche bewertet. Dies wäre evtl. noch zu rechtfertigen, wenn das Becken auf einer ökologisch ge-ringwertigen Fläche und für Tiere frei zugänglich mit sehr flachen Böschungen angelegt würde, nicht je-doch, wenn zuvor ein wertvoller Bestand beseitigt werden muss.

Diese Planung muss unbedingt korrigiert werden. Das Becken ist auf die Ackerfläche zu verlegen, der Gehölzbestand so weit irgend möglich zu erhalten.

Die Eingriffs-Ausgleichsbilanz schließt derzeit mit einem Biotopwert-Defizit von 86,22 BWP (ha). Es ließe sich bei Beachtung unserer Vorschläge verringern. Mit den geplanten Ersatzmaßnahmen am Vilicher Bach ist das Defizit fachlich und rechnerisch jedoch keinesfalls auszugleichen.

Begründung:
Nicht in den Ausgleich eingerechnet werden darf die Unterlassung von Gewässerunterhaltungsmaßnah-men (dargestellt mit einer Flächengröße von 1,77 ha), denn eine Gewässerunterhaltung (= Mähen der Böschung, Zurückschneiden von Gehölzen), die aus Gründen der Hochwassersicherheit nicht unbedingt erforderlich ist, hat – gem. BNatSchG, aber auch im Sinne der WRRL – sowieso zu unterbleiben. Wenn also diese Maßnahmen hier unterbleiben können, sind sie aus Hochwasserschutzgründen nicht erforder-lich, demnach auf jeden Fall zu unterlassen und nicht nur aufgrund der Ausgleichsplanung.

Wenn man diese 1,77 ha abzieht, soll auf nur knapp 5000 m² mit Maßnahmen an Gewässersohle und –ufer sowie einigen Gehölzanpflanzungen an diesem komplett zwischen Deiche eng eingezwängten Bachabschnitt ein Ausgleichsdefizit von 862.200 BWP (m²) = 86,22 BWP (ha) ausgeglichen werden. Auch mit viel gutem Willen und der sogenannten verbal-argumentativen Zusatzbewertung, mit der ja nichts anderes ausgesagt wird als das, was sowieso bei einer Bachrenaturierung die Folgewirkung und damit die Aufwertung darstellt, ist erkennbar, dass der Ausgleich damit in keiner Weise erbracht werden kann. Ein funktionaler Ausgleich ist mit den Ersatzmaßnahmen am Bach überhaupt nicht möglich.

Rechnerisch ist für den Ausgleich der 862.000 BWP eine Ackerfläche von ungefähr 6 ha erforderlich, wenn diese mit Gehölzen bepflanzt oder der Sukzession überlassen wird. Rechenbeispiel:
Acker 6 BWP/m², Gehölze oder Sukzession max. bis 20 BWP/m² = 862.000 : (20 – 6) = 61.570 m²/6,1 ha. Bei der Möglichkeit, eine Fläche zu entsiegeln (Aufwertung von 0 auf 20) und zu bepflanzen, wären es bei obigem Beispiel immer noch 4,3 ha, die dafür bereitzustellen wären.
Der Projektträger sollte auf Grundlage dieses Beispiels verpflichtet werden, neue bzw. weitere Aus-gleichsflächen in Trassennähe zu suchen und im Sinne der Wiederherstellung der Naturhaushaltsfunktio-nen sinnvoll zu beplanen. Eine nachvollziehbare Bewertung und Bilanzierung gehört dazu.

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung zu den Bestands- und Konfliktplänen des LBP: Die Darstellung ist aufgrund des starkfarbigen Hintergrundes (Biotoptypen) und der haarfeinen roten Linien der Planung so gut wie unleserlich. Erst wenn man die Ausgleichspläne daneben legt, wird im sehr mühsamen Ver-gleich einigermaßen klar, wo Eingriffe überhaupt stattfinden werden. Die Planer sollten es – zumindest in Zukunft - den prüfenden Mitmenschen nicht schwerer als nötig machen.

Mit freundlichen Grüßen

BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Kreisgruppe Bonn
i.A.
K. Giesler



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