Verlegung einer Glasfaserleitung für das Teleskop Effelsberg

Bundesstadt Bonn
Amt für Umwelt, Verbraucherschutz u. lokale Agenda
z.Hd.: Frau Arenz
Stadthaus, Berliner Platz 2
53111 Bonn

22.11.2006


Befreiung für das NSG Kottenforst:
Verlegung einer Glasfaserleitung für das Teleskop Effelsberg;
Antr.: Max-Planck-Gesellschaft


Sehr geehrte Damen und Herren,

zu der beabsichtigten Befreiung nehmen die Naturschutzverbände für den Abschnitt im Bonner Stadtgebiet wie folgt Stellung:

Bei dieser Planung handelt es sich um einen Eingriff, der allein 3 nordrhein-westfälische Landkreise betrifft. Über die hier konkret betroffene NSG-Befreiung hinaus muss daher diskutiert werden, in wie weit es gelungen ist, die optimale Streckenführung zu finden. Aus den Planunterlagen ist bisher nicht ableitbar, dass dieses Ziel erreicht wurde.

Es bleibt zwar festzuhalten, dass die Eingriffe im Stadtgebiet Bonn sich in Grenzen halten und auch eine recht verträgliche Querung des NSG erfolgen kann, dennoch ist zu vermuten, dass sich die Situation in anderen Kreisen als wesentlich ungünstiger herausstellt und Umplanungen angezeigt sein könnten. In so fern könnten sich auch Rückwirkungen auf das Bonner Stadtgebiet herausstellen. Die Naturschutzverbände regen daher – unabhängig von Eintreten solcher Probleme – für vergleichbare zukünftige Planungen an, dass im Vorfeld der Gesamtplanung im Kreis der Behörden und unter Einbeziehung der Naturschutzverbände über günstige Varianten und Streckenführungen diskutiert wird. Ohne eine UVP für derartige Kabelplanungen fordern zu wollen, sollten deren nicht zu leugnende Vorteile für alle Beteiligten doch genutzt werden. Das dient gerade dem Antragsteller!

Zur konkreten Planung ist zunächst zu kritisieren, dass eine Übersichtskarte fehlt. Das erschwert gerade die Beurteilung von alternativen Linienführungen sehr. Übersichtskarten sollten inzwischen bei jeder Planung Standard sein!

Es ist nicht ohne weiteres hinnehmbar, dass die Lage der Schachtbauwerke, die alle 2 km entstehen sollen, unbekannt ist und in so fern von einem nur durchschnittlichen Biotopwert ausgegangen wird. Vielmehr müsste – bei unbekannter Lage der Schächte – vom schlimmsten Fall ausgegangen werden. Dies umso mehr, wenn im Zuge der Ausschachtungsarbeiten erkennbar wird, dass durch nötiges Abschneiden von Wurzeln Gehölze gefährdet werden. In so fern sollten sich die Planer auf konkrete Standorte festlegen!

Auch die Flächengröße und der Kompensationsfaktor für die Schachtbauwerke wird unterschätzt. Dass sich der Eingriff lediglich auf die vom Bauwerkskörper eingenommenen 1,5 x 1,5 m beschränkt, ist unrealistisch. Statt dessen sollte ein angemessener Bereich um das Bauwerk selbst ebenfalls als betroffen angesehen werden. Auch der Kompensationsfaktor ist zu gering.

Die Eingriffsbreite auf der Kabeltrasse von 15 cm ist unrealistisch gering. Sowohl mit dem Kabelpflug, als auch mit dem Minibagger würden weitergehende Beeinträchtigungen erreicht werden. Beispielsweise ist unklar, wie ein Minibagger einen 15 cm breiten Graben herstellen soll, wenn schon sein Greifarm breiter ist und es naturgemäß auch zum Nachrutschen des Grabenrands kommen wird.

Auch der Verlust von Gehölzen wird nach Ansicht der Naturschutzverbände unterschätzt. Insbesondere im Bereich Kohlkaul dürfte es zu Baumverlusten kommen.

In so fern ist aus Sicht der Naturschutzverbände zusammenzufassen, dass der Eingriff deutlich unterschätzt wird. Bei wirklichkeitsnaher Betrachtung kann die Eingriffsfläche mindestens verdoppelt bis verdreifacht werden – unabhängig von der Frage, ob wirklich alle Biotoptypen korrekt beurteilt wurden bzw. ob weitere Baumverluste zu befürchten sind.

Es geht in diesem Zusammenhang nicht darum die Schwere des Eingriffes zu dramatisieren. Vielmehr erwarten die Naturschutzverbände für die Bonner Leitungsabschnitte nicht mehr und nicht weniger, als eine überzeugende Abschätzung des Eingriffes und eine vernünftige Ausgleichsmaßnahme. Die Naturschutzverbände sind dabei durchaus flexibel, sehen aber nicht ein, dass ein geplanter Eingriff unterschätzt wird, so dass schließlich ein Kompensationsbedarf von zu Unrecht nebensächlich erscheinenden 174 m² errechnet wird, der dann – scheinbar zu vernachlässigen – mit einer Ersatzgeldzahlung abgegolten wird.

Auch die Verlegung des LWL-Kabels sollte – wie jede andere Planung - korrekt bewertet werden. Die bisher vorliegende Eingriffs-Ausgleich-Betrachtung kann diesem Ziel bei weitem nicht gerecht werden.

Nicht zuletzt Ihrer eigenen Rechtssicherheit wegen möchte ich Sie bitten beteiligungsrelevante Unterlagen (also auch die Bescheide oder sonstige Benachrichtigungen zu Planverfahren) stets für alle anerkannten Naturschutzverbände an das Landesbüro der Naturschutzverbände zu schicken. Nur so ist im Zweifelsfalle sichergestellt, dass die Unterlagen auch die jeweils zuständigen bevollmächtigten Vertreter der Naturschutzverbände erreichen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dabei im Regelfall 4 Exemplare zusenden könnten.
Selbstverständlich können wir im Einzelfall gern eine flexible Handhabung vereinbaren, etwa bei besonders eiligen Fällen oder wenn Ihnen nicht ausreichend Planunterlagen zur Verfügung stehen. Für Ihren Anruf wären wir in solchen Fällen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen


Michael Gerhard



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