Bundesstadt Bonn
Amt 62-3
53103 Bonn

01.07.2005



Beteiligung der Naturschutzverbände

Bebauungsplan Nr. 7925-22 – Geislar-West und 142. Änderung des FNP
Ihre Schreiben vom 01.06.2005 und 13.05.2005


Sehr geehrte Damen und Herren,

aus früheren Stellungnahmen des BUND ist Ihnen bekannt, dass wir ganz allgemein der weiter fortschreitenden Bebauung von Freiflächen – sei es durch Wohnhäuser oder Gewerbeobjekte – sehr kritisch gegenüber stehen. Mindestens sollten vor der Ausweisung weiterer Bauflächen die Baulücken in bestehenden Baugebieten gefüllt und alle Möglichkeiten, innerhalb des Stadtgebietes Wohnraum zu schaffen, genutzt werden (z. B. in bestehenden, nicht vollständig ausgebauten Gebäuden, auf derzeit bereits versiegelten oder mit Altbestand bebauten Flächen).

Das Baugebiet Geislar-West greift in einen besonders empfindlichen Bereich ein:

• Es bringt einen naturschutzrechtlich als "nicht ausgleichbar" zu bezeichnenden Eingriff in sehr wertvolle Biotopflächen mit sich,
• es überbaut kulturhistorisch wertvolle Gärten mit alten Obstsorten,
• es vergrößert den Erholungsdruck auf das angrenzende FFH-Gebiet "Siegaue und Siegmündung". Eine Aussage zur FFH-Verträglichkeit der Planung fehlt und ist daher in Form einer FFH-Verträglichkeitsprognose unbedingt nachzuholen.
• es greift in das Landschaftsschutzgebiet ein,
• es stellt eine gravierende Landschaftsbildveränderung dar (Beeinträchtigung des eingegrünten Ortsrandes)
• es widerspricht dem Integrierten Freiraumkonzept der Stadt Bonn;
• es ebnet den Weg zur Erweiterung der Siedlungsfläche in Richtung Westen mit weiteren starken Beeinträchtigungen von wertvolle Biotopflächen (vorgesehene Änderung des GEP für diesen Bereich).

Lt. LFB wurde keine faunistische Kartierung des Gebietes vorgenommen. Aufgrund des Strukturreichtums der Gärten und der relativ geringen Entfernung zur Siegaue ist jedoch anzunehmen, dass hier nicht nur "Kulturfolger", sondern auch seltene und gefährdete Vogelarten vorkommen. Nach einer Bebauung würden diese Arten keinen ungestörten Lebensraum mehr vorfinden.

Der Hinweis im LFB, dass die verbleibenden Gartenbereiche als private Grünflächen extensiv genutzt werden (sollen), ist tatsächlich nur eine Wunschvorstellung. Der Wert der Flächen wird nach der Bebauung der angrenzenden Flächen deutlich sinken. Dies müsste auch in der Bewertung zum Ausdruck kommen, das Biotopwertdefizit würde damit steigen.

Die Bezeichnung der Fläche südlich der A 565 als SPE-Fläche ist fachlich nicht zu rechtfertigen, weil durch eine Pflanzmaßnahme zwischen Autobahn und Landstraße keine ökologisch wertvollen Biotope entstehen können. Im Gegenteil, durch Gehölzpflanzung werden Vögel angelockt, die dann durch den Verkehr stark gefährdet sind. Insofern wird auch keine "Verbindung zum westlich gelegenen Landschaftsraum" geschaffen, jedenfalls nicht im Sinne einer Biotopvernetzung.
Wertvoll dagegen ist diese Fläche zur optischen Abschirmung der Autobahn aus Richtung der Neubauten, als Lärmschutz für die Menschen - und sie stellt sicher auch eine gewisse Aufwertung für das Landschaftsbild dar.

Ohne die Details der Kompensationsberechnung näher betrachten zu können (für ehrenamtlich tätige Bearbeiter ist der Zeitaufwand einfach zu groß), kann aus den oben genannten Gründen festgestellt werden, dass der errechnete Biotopwertüberhang von ca. 50.000 Punkten sicher real nicht darstellbar ist. Aus unserer Sicht verbleibt viel eher ein Defizit.

Daraus ergibt sich, dass der in der Bebauungsplanbegründung erwähnte 74%-Ausgleich sich noch weiter verringert. Generell für uns nicht nachvollziehbar ist der Verzicht der Stadt Bonn auf einen Vollausgleich.
Es ist richtig, dass ein 100 %-Ausgleich rechtlich nicht verlangt werden kann. Allerdings nur dann nicht, wenn in der Abwägung dem Belang von Natur und Landschaft ein gleichwertiger öffentlicher Belang entgegensteht. Das ist hier nicht der Fall. Die Begründung, dass sich die Bauflächen durch einen Vollausgleich unverhältnismäßig verteuern würden, zeigt ganz deutlich, dass der rein private Belang "Kostenersparnis" über den öffentlichen Belang "Naturschutz" gestellt worden ist. Der Bebauungsplan kann in dieser Form einer eventuellen Klage nicht standhalten - daher ist ein 100 %-Ausgleich grundsätzlich ratsam.



Mit freundlichen Grüßen

B U N D Kreisgruppe Bonn



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