Bundesstadt Bonn
Amt 61
53103 Bonn


09.09.2005



Beteiligung der Naturschutzverbände

Bebauungsplan Nr. 7421-14 Am Bruch / Messdorfer Feld
Ihr Schreiben vom 08.08.2005 - 62-3


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für Ihr o. a. Schreiben und die vorgezogene Beteiligung im Verfahren.

trotz der zahlreichen Proteste und obwohl es nach unserer Kenntnis keinen Investor mehr für das Vorhaben gibt, soll also das Verfahren weiterbetrieben werden. Die dabei entstehenden Personal- und Sachkosten und das gesamte Risiko der Vorfinanzierung und der Vermarktung übernimmt demnach die Stadt Bonn.

Wegen des bereits vorhandenen hohen Wohnungsleerstandes im Umfeld der Fläche Am Bruch und der zu erwartenden Verlegung des Führungsstabes der Bundeswehr, mittelfristig auch des größten Teils des Verteidigungsministeriums und Teile anderer Ministerien, Abbau von Personal bei Post und Telekom, ist diese Entscheidung für uns unverständlich. Selbst wenn es in Bonn im Augenblick noch einen gewissen Bevölkerungszuwachs gibt, langfristig gesehen wird dies nicht so bleiben. Jede Gene-ration wird durch den Geburtenrückgang kleiner als die vorhergehende. Der Wohnungsbedarf wird damit automatisch sinken.
Zu erklären ist die Entscheidung daher wohl nur durch den Druck, den Grundstücksbesitzer auf die Politik ausgeübt haben. Die Umwelt zu schützen und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten sollte jedoch vordringliche Aufgabe von Politik und Verwaltung sein.

Zur Planung selbst - wenn sie schon nicht mehr zu verhindern ist - folgende Anmerkungen:

Klima
Entlang der Lessenicher Straße ist Mehrgeschosswohnungsbau mit bis zu drei Stockwerken vorgese-hen. Diese Baufelder sind unbegreiflicher Weise so ausgerichtet (ebenso diejenigen für die EFH-Bebauung), dass sie Riegel gegen den Frischluftzufluss aus Richtung Westen bilden. Wenn auch lt. Klimagutachten keine spürbaren Auswirkungen auf die Durchlüftungssituation zu erwarten sind (was wir bezweifeln), so sollten doch zur Abmilderung des "Restrisikos" die Baukörper parallel zur Haupt-windrichtung angeordnet werden.

Verkehr
Die Anbindung des Neubaugebietes für den Autoverkehr ist mehr als problematisch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass etwa alle 10-15 Minuten die Schranke geschlossen ist und zudem in Richtung Duisdorf der Verkehrsfluss nochmals durch die Ampel gestoppt wird. Zur Lösung dieses Problems ist in den Unterlagen, die uns zur Verfügung gestellt wurden, nichts ausgesagt, im Gegenteil, es wird festgestellt, dass die Kapazität der vorhandenen Straßen ausreichend ist.

Schallschutz
Es mag ja sein, dass der gemessene Lärmpegel, der durch den DB-Verkehr entsteht, im gesetzlich zulässigen Bereich liegt. Durch Schallschutzfenster kann man innerhalb der Wohnungen auch sicher einen akzeptablen Pegel erreichen. Wer sich aber gerne draußen aufhält und wer nur mit geöffneten Fenstern schlafen kann, wird sich aber hier nicht ansiedeln wollen, zumal in Zukunft die Frequenz der vorbeifahrenden Bahnen vermutlich noch zunehmen wird.

Grünplanung, Landschaftspflegerischer Begleitplan
Durch die Bebauung verschwindet fruchtbares Ackerland im Umfang von über 63.000 m², das durch seine zentrale Lage sinnvoll für die Nahversorgung der Verbraucher - z.B. mit Gemüse und Obst - genutzt werden könnte.

Als Flächen für Bebauung und Erschließung sind ca. 46.000 m² angegeben, die Differenz von 17.000 m² soll öffentliche Grünfläche/Parkanlage werden.
Die geplante sehr lückige Bepflanzung der Grünanlage entlang der Bahntrasse ist wohl kaum geeig-net, einen auch nur leichten Schallschutz herzustellen. Hier wäre eine dichte, durchgehende Baum- und Strauchhecke sinnvoller.

Leider findet sich in der Pflanzliste für die Flächen entlang der Bahn u.a. auch die Alpenjohannisbeere und die Weiße Posterspiere (entsprechend dem Text in Kap. 5.2.2 des LFB, dass "überwiegend" standortheimische Gehölze angepflanzt werden sollen). Wenn es sich auch um eine Bepflanzung im besiedelten Bereich handelt, so sollten doch auch hier nur Arten aus der Liste der ULB "Standorthei-mische Gehölze und traditionelle Kulturarten in Bonn" verwendet werden - zumal es überhaupt keinen erkennbaren Grund gibt, Zierpflanzen zu verwenden.
Lt. LFB existiert eine biotopkartierte Fläche (BK-5208-501) im Umfeld des Geltungsbereiches, die jedoch in keiner Karte dargestellt ist, obwohl sie in direkter Nähe an der Bahnlinie liegen soll. Schon aus dem Grund, die Verbreitung nicht standortheimischer Arten in diese (oder andere) naturnahe Flä-chen zu verhindern, sollten gerade in der Nähe der Bahn keine Zuchtformen oder Zierpflanzen einge-bracht werden.

Die Bewertung der gesamten bebaubaren Fläche ist mit dem Faktor 3 in die Ausgleichsbilanz einge-gangen, d. h., auch die direkt mit Gebäuden, Garagen, Stellplätzen usw. versiegelten Flächen erhal-ten noch Biotopwertpunkte. Dadurch ergibt sich ein verhältnismäßig geringes Defizit, das auf der in einiger Entfernung von den geplanten Neubauten gelegenen Kompensationsfläche (ca. 17.500 m²) ausgeglichen werden soll. Aus unserer Sicht müssten jedoch die direkt versiegelbaren Flächen mit dem Faktor 0 belegt werden, entsprechend der Bewertung von versiegelten Wegen und Plätzen, so dass sich ein deutlich höherer Kompensationsbedarf ergäbe.

Die Planung der Ausgleichsflächen beinhaltet auch extensiv genutzte Wiesen und Obstwiesen. Wenn diese Biotoptypen auf Dauer erhalten bleiben sollen, ist eine jährliche Pflege erforderlich. Diese Pflege sollte unbedingt durch einen ortsansässigen Landwirt erfolgen, damit das Mähgut im Betriebskreislauf verwertet werden kann und nicht aufwendig entsorgt bzw. kompostiert werden muss. Der LFB macht zum derzeitigen Bearbeitungsstand keine Angaben über Sicherstellung von Pflege und Entsorgung. Geeignet ist der Demonstrationsbetrieb für ökologische Landwirtschaft, Gut Ostler - auf dem Meßdor-fer Feld angesiedelt. In der Tierhaltung könnte der Betrieb das Heu sicherlich sehr gut verwerten, das Obst von der Obstwiese im Hofladen verkaufen. Dies nur als Hinweis für die weitere Bearbeitung.


Mit freundlichen Grüßen
B U N D Kreisgruppe Bonn
i.A.
K. Giesler



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